Marktschorgast

Marktschorgast ist eine Marktgemeinde mit ca. 1600 Einwohnern im Landkreis Kulmbach in Oberfranken.

Landschaft

Marktschorgast liegt am Rande des Fichtelgebirges in einer reizvollen Landschaft mit sanften Hügeln und Tälern. Das Landschaftsbild wird nicht von den düsteren Fichtenwäldern geprägt, die für das Fichtelgebirges so typisch sind, aber auch nicht von klinisch flurbereinigten Kulturlandschaften; es ist aufgelockerte Mischung von beidem - gerade die richtige Mischung, wie wir Einheimischen finden.

Fichtelgebirge oder Frankenwald?

Ob Marktschorgast nun zum Fichtelgebirge gehört oder zum Frankenwald, darüber streiten die Gelehrten schon lange. Klimatisch und geologisch (Höhe zwischen 500 und 550m) gehört es auf jeden Fall zum Fichtelgebirge - das merkt man, wenn man am Frühlingsanfang oder am Winteranfang die berüchtigte Steigung Schiefe Ebene zwischen dem 5 km entfernten Himmelkron und Marktschorgast zurücklegt: Wenn unten im Tal in Himmelkron alles grün ist, liegt in Marktschorgast noch (oder schon) Schnee.

Irgendwelche Verwaltungsbeamte am grünen Tisch haben wohl irgendwann die Autobahn A9 Berlin - Nürnberg zur Grenze zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald erklärt; danach gehört Marktschorgast zum Frankenwald. Es ist allerdings zweifelhaft, ob diese Entscheidungsträger von Marktschorgast mehr kennen als den Eintrag auf den amtlichen Katasterkarten, sonst hätten sie sich diesen Entschluß wohl noch einmal gut überlegt.

Die vielen Bäche der Gegend (auch die Schorgast, die dem Ort den Namen gegeben hat) bilden das Quellgebiet des Mains. Reich an Wasser ist diese Gegend: Ein guter Teil der Trinkwasserquellen, aus denen das berühmte Kulmbacher Bier gebraut wird, liegt auf Marktschorgaster Gemeindegebiet.

Die Schiefe Ebene

Unter Eisenbahnfreunden ist Marktschorgast bekannt als das obere Ende der steilsten Eisenbahntrasse Europas ohne Zahnradbetrieb: Die Schiefe Ebene zwischen Neuenmarkt und Marktschorgast. Zu Dampflokzeiten wurde in Neuenmarkt immer eine zweite Lok an Züge angekuppelt, die diese 5 km lange Steilstrecke überwinden mußten - anders hätte man die Steigung nicht bewältigen können.



Seit einigen Jahren haben Eisenbahnfreunde in Verbindung mit dem Deutschen Dampflokmuseum in Neuenmarkt diese Tradition wiederbelebt: Von Anfang Mai bis Ende September wird diese historische Eisenbahnstrecke an Sonn- und Feiertagen mit Museumszügen mit Dampfbetrieb befahren.

Unbestritten die größte Attraktion in Marktschorgast ist der Goldbergsee - ein Anziehungspunkt für Besucher aus nah und fern.

Geschichte

Marktschorgast ist eine sehr alte Siedlung; im Jahr 2009 gab es die 900-Jahr-Feier. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1109: Darin wurde das Einkommen aus dem Ort Scoregast, einer slawischen Siedlung, dem Bamberger Kollegiatsstift St. Jakob zugesprochen. Damals gab es bereits eine Pfarrkirche und einen Markt, also geht Marktschorgast noch weiter zurück.

Der Ortskern um den Marktplatz und die über 900 Jahre alte Wehrkirche sind aus dem Mittelalter erhalten geblieben - und haben glücklicherweise auch den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden.

Historisch gehört Marktschorgast seit Jahrhunderten zum Bistum Bamberg und bildet damit in der größtenteils protestantischen Umgebung eine katholische Insel. Die politischen Verhältnisse in der Gegend waren seit dem Mittelalter eher wirr und unbeständig; die Herrschaft wechselte in den Nachbarorten oft zwischen den Markgrafen von Kulmbach und später den preußischen Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, dem Bistum Bamberg und bei manchen Orten der Umgebung auch der freien Reichsstadt Nürnberg. Mit der Herrschaft wechselte auch zwangsweise die Religion.

Nur Marktschorgast stand immer wie ein Fels in der Brandung - es gehörte all die Jahrhunderte immer zum Bistum Bamberg. Erst am Ende des zweiten Weltkriegs kam mit den Kriegsflüchtlingen auch eine nennenswerte Anzahl Protestanten nach Marktschorgast.

Im Mittelalter hatte Marktschorgast auch lange Zeit das Stadtrecht und die Blut- und Halsgerichtsbarkeit - der Galgenberg war der Goldberg.

Franken und Bayern



Verwaltungstechnisch gehört Oberfranken zu Bayern: Franken wurde von Napoleon 1806-1809 häppchenweise an Bayern verschachert. Bei dieser Gelegenheit wurde auch Bayern vom Kurfürstentum zum Königreich. Als Gegenleistung verbündete sich Bayern mit Frankreich gegen die damaligen Weltmächte Österreich und Preußen.

Kulturell trennen Franken und Bayern allerdings Welten. Wer einen Franken als Bayern bezeichnet, tut gut daran, sofort in Deckung zu gehen - es könnten harte Gegenstände tief fliegen...

200 Jahre lang von München aus zentralregiert zu werden, hat das Verhältnis auch nicht unbedingt verbessert: Gelder fließen vorrangig nach München und Oberbayern. Franken, noch dazu Oberfranken, steht ganz, ganz unten in der Liste.

Wirtschaft

Nach einem langen Dornröschenschlaf im Zonenrandgebiet von 1945-1989 (im Dreiländereck Bundesrepublik / DDR / CSSR) fand sich Marktschorgast nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs mittendrin im vereinten Europa - an einer der nunmehr wichtigsten Verkehrsadern, der Autobahn A9 Berlin - Nürnberg - München, und in der Nähe der B303 von Prag über das tschechische Eger nach Franken. Oberfranken wurde so vom Ende der Welt zur Transitzone für Osteuropa - mit allem, was dazugehört.

Die A9 bei Marktschorgast an einem ganz normalen Donnerstagnachmittag

Förderungswürdiges Zonenrandgebiet sind wir damit nicht mehr, aber die traditionell schwache Infrastruktur und Wirtschaft blieb uns erhalten - mit zusätzlichem Druck aus dem Osten.

Gesellschaftliches Leben

Ein kleines bißchen heimischer Wirtschaft ist noch übrig, aber die meisten Marktschorgaster müssen ihr Geld auswärts verdienen (etwa Bayreuth (20 km), Kulmbach (20 km) ), und und damit orientieren sich die meisten auch in anderen Lebensbereichen eher nach den Orten, wo sie arbeiten - dort wird eingekauft, dort hat man Freunde und Kollegen, also wird dort auch ein guter Teil der Freizeit verbracht - gerade bei der jüngeren Generation.

Umso wichtiger sind für einen kleinen Ort wie Marktschorgast örtliche Vereine wie eben zum Beispiel die Wasserwacht Ortsgruppe Marktschorgast, die Freiwillige Feuerwehr oder der Allgemeine Sportverein (ASV) Marktschorgast. Die Vereine sind es, die noch für ein gewisses gesellschaftliches Leben im Heimatort sorgen.

Natürlich kann man argumentieren, daß die meisten Veranstaltungen und Festlichkeiten solcher Vereine sich nur gegenseitig erhalten: Verein A geht auf die Veranstaltungen von Verein B und Verein C, also erwartet man das auch andersherum. Und in irgendwelchen Vereinen sind die meisten Einwohner von Ortschaften wie Marktschorgast Mitglied, also muß jeder ständig solchen Verpflichtungen nachkommen.

Andererseits wäre das kulturelle Leben auf dem Land um vieles ärmer, wenn es all das nicht gäbe, und als "kleines Nebenprodukt" fallen auch noch so nützliche Dienstleistungen ab wie die Feuerwehr, das Rote Kreuz oder eben die Wasserwacht.

Und alle Vereine bieten auch der Jugend sinnvolle Freizeitmöglichkeiten - ganz abseits von Fernsehen und Playstation. Das äußert sich nicht zuletzt auch darin, daß Jugendkriminalität und Drogenmißbrauch auf dem Land um ein vielfaches geringer sind als in der Stadt, wo es (pro Kopf) sehr viel weniger solcher Angebote gibt.

Mehr über Marktschorgast findet sich auf der offiziellen Internetseite der Marktgemeinde Marktschorgast.